Orgasmus? Orgas kann!

Wem auch immer dieses Wortspiel zuerst eingefallen sein mag – er oder sie muss ein kluger und erfahrener Mensch gewesen sein. Der Orgasmus ist ein scheues Wesen, das einfach einmal auftauchen kann und ein anderes mal fern bleibt. Dass dem so ist, wird kaum jemand bestreiten. Ob wir allerdings in diese Tatsache ein Problem sehen oder nicht, darin unterscheiden sich die Menschen

 
Wie bevorzugen Sie Ihren Erdbeerkuchen? Mit oder ohne Sahne? Wahrscheinlich mit, denn so geht es den meisten Menschen. Aber mögen Sie den Erdbeerkuchen nur der Sahne wegen? Und würden Sie sagen Erdbeerkuchen ohne Sahen ist gar kein richtiger Erdbeerkuchen?
 

Sex statt Erdbeerkuchen

Ersetzen Sie nun einmal das Wort Erdbeerkuchen durch Sex und das Wort Sahne durch Orgasmus und Sie werden merken, was die eingangs erwähnte, kluge Person wohl mit ihrem Wortspiel ausdrücken wollte. Dass nämlich der Orgasmus das Sahnehäubchen der Sexualität ist, aber wer will schon immer nur Sahne.
 

Erdbeerkuchen schmeckt auch ohne Sahne
Erdbeerkuchen schmeckt auch ohne Sahne

In meiner Praxis erlebe ich oft, dass es Paare als Problem ansehen, wenn nicht beide Partner beim Sex regelmäßig einen Orgasmus bekommen – an besten immer gleichzeitig. Der Orgasmus muss als Währung dafür herhalten, ob der Sex denn auch wirklich gut war.
 
Diese Paare erwarten dann, dass ich ihnen Tipps und Tricks verrate, wie sie zuverlässig zu einem Orgasmus kommen um auf diese Weise ihr Problem zu lösen

 

Das Problem ist das Problem

Das Problem dieser Paare ist es aber nicht, dass sie nicht immer – oder vielleicht sogar nur selten – einen Orgasmus bekommen, sondern dass sie darin ein Problem sehen. Ich frage also ganz naiv nach: „Ich verstehe, dass Sie nicht jedes mal wenn Sie zusammen Sex haben zum Orgasmus kommen – aber worin genau liegt für Sie darin das Problem?“
 
Durch diese Frage wird dem Paar bewusst, mit welcher Bedeutung die Partner den Orgasmus aufladen. Man könnte ja glauben, es geht allein um das wunderbare Körpergefühl und die damit verbundene sexuelle Entspannung und Befriedigung. Aber weit gefehlt – einige der häufigsten Glaubenssätze zum Orgasmus sind folgende:

 

  • Wenn ich nur selten einen Orgasmus bekomme bin ich sexuell nicht vollwertig
  • Wenn meine Partnerin / mein Partner keinen Orgasmus bekommt. liegt das an mir
  • Ich möchte, dass mein Partner / Partnerin einen Orgasmus bekommt, weil dies mich als gute(n) Liebhaber(in) bestätigt
  • Wenn nur ich oder nur mein(e) Partner(in) einen Orgasmus bekommt ist das ungerecht

Machen Sie sich doch einmal Ihre eigenen Glaubenssätze zum Thema Orgasmus bewusst und kommen sie darüber mit Ihrem Partner in ein intimes, offenes Gespräch. Das kann ungemein entspannen. Und durch Entspannung fühlt sich das scheu Wesen des Orgasmus eingeladen und willkommen – der Orgasmus will kommen. Wenn aber SIE unbedingt kommen wollen, fühlt sich der Orgasmus nicht willkommen. Denn der Orgasmus kann, muss aber nicht.

 


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Nicht auf Erektion versteifen

Sex mit Erektion kann jeder aber kaum einer kann immer Erektion. Sich diese Tatsache einzugestehen ist gerade für Männer mit vielen Widerständen verbunden. Dabei kennt fast jeder Mann – und natürlich auch die Frauen – aus eigener Erfahrung Situationen, in denen „das beste Stück des Mannes“ nicht „mitspielt“. Meist wird dies dann als unangenehm, beängstigend und vor allem sehr peinlich empfunden, obwohl hier auch viele Chancen verborgen liegen.

Aus meinen Gesprächen mit Frauen zu diesem Thema habe ich vor allem erfahren, dass Männer die Frage ob sie gerade eine Erektion haben oder nicht im Allgemeinen überbewerten. Es kann Frauen zwar verunsichern, wenn ein Mann beim Liebesspiel keine Erektion hat und manche meinen auch, es habe mit Ihnen (also der Frau) selbst zu tun. Am belastendsten für Frauen ist aber nicht der Umstand, dass der Partner gerade keine Erektion hat, sondern das auf beiden Seiten große Verunsicherung darüber herrscht, wie mit dem Thema umzugehen ist.


Worte finden

Um diesen für Männer und Frauen unangenehmen Druck aus der Situation zu nehmen, empfehle ich als erstes einmal, diesen ja ganz offensichtlichen Sachverhalt auch anzusprechen – also Wort dafür zu finden. Dies mag zunächst schwierig sein, weil wir weder als Mann noch als Frau darin geübt sind, diese passenden Worte zu finden. Nur weil es ungewohnt ist, bedeutet dies aber nicht das es nicht möglich ist.

Üben, die richtigen Worte zu finden
Üben, die richtigen Worte zu finden

 

Egal ob Mann oder Frau, Sie können beispielsweise sagen “Offensichtlich können wir gerade nicht so ohne weiters miteinander schlafen – was machen wir denn da?“
Dies nimmt immer die Spannung des Unausgesprochenen und bringt Sie wieder in Kontakt mit Ihrem Partner /Partnerin

Und wie wäre es wenn Sie als Frau mal mit Ihrer besten Freundin über diese Thema sprechen würden, oder Sie als Mann mit Ihrem besten Freund? Wie gehen andere Menschen, andere Paare mit diesem Thema um, welches praktisch jeder kennt? Sie erhalten neue Inspirationen und Ideen, erfahren, dass Sie nicht die einzigen sind, denen es so geht und ganz nebenbei vertiefen Sie Ihre Freundschaft, der es gut tut, wenn nicht nur über Fußball, Kinder und Shopping gesmalltalked wird.

 

Welche Bedeutung geben Sie der Frage nach der Erektion?

Letztendlich geht es nicht darum, dass der Penis mal steht und mal ruht, sondern darum welche Bedeutung Sie diesem ganz natürlichen Umstand beimessen. Hier können Sie sich einmal ganz kindlich-naiv fragen, wozu denn der Penis beim Liebesspiel erigiert sein sollte. Die meisten Menschen haben sich diese Frage bisher nie gestellt und die Erektion beim Liebesspiel einfach als selbstverständlich verinnerlicht. So selbstverständlich ist es aber ganz offensichtlich nicht, dass der Penis Lust hat, die ihm zugedachte Pflicht auch fraglos zu erfüllen.

Bei Näherem nachdenken über dies Frage werden sie vielleicht zu folgenden Antworten kommen. Eine sehr nahe liegende ist diese:
– Ohne Erektion können wir keinen Sex haben.
Weitere Antworten könnten sein:
– Ohne Erektion könnte meine Frau glauben, ich begehre sie nicht mehr bzw.
– Wenn mein Mann keine Erektion hat, begehrt er mich nicht mehr.

Schon etwas genaueres Hinsehen und selbst Erkennen erfordert diese Antwort:
– Ich fühle mich als Mann verunsichert, wenn ich im „richtigen Moment“ keine Erektion bekomme bzw. halten kann. Ein richtiger Mann kann immer.
Ein solch verzerrtes Männerbild wird in Porno und oberflächlichen Stammtisch Prahlereien vermittelt.

Sex mit Erektion ist wie in einem schnellen Auto sitzen, mit dem Sie dann meist auf der Autobahn fahren wollen: Sicher, der Rausch der Geschwindigkeit hat etwas – Sie kommen schnell ans Ziel, sehen aber wenig von der schönen Umgebung. Sexuelle Begegnungen ohne Erektion sind natürlich ebenso gut möglich, sie führen zu einer anderen Art der Lust, die, um im Bild zu bleiben, mit einer Fahrradtour vergleichbar ist. Sie lernen entspannt die Umgebung kennen, lassen sich treiben, verfolgen kein bestimmtes Ziel, erforschen genussvoll Um- Neben- und Abwege, machen sich im Gebiet der Sexualität ortskundig, statt es möglichst zielstrebig zu durchmessen.

Sich treiben lassen ohne ein bestimmtes Ziel erreichen zu müssen
Sich treiben lassen ohne ein bestimmtes Ziel erreichen zu müssen

Fragen Sie sich, was ist das Ziel Ihres Liebesspiels? Möglichst schnell zum Beischlaf und zum Orgasmus kommen? Oder Körperlichkeit und Nähe in all Ihrer Vielfältigkeit zu erkunden und zu genießen?


Der Penis als Anzeigeinstrument

Verlassen Sie sich auf das “Anzeigeinstrument Penis“. Deutet der Zeiger nach oben, so haben „die Messungen des erotischen Gesamtsystems“ ergeben, dass es möglich (aber nicht zwingend) ist, der „klassischen Form“ der Sexualität nachzugehen, also z.B. einzudringen, sanft oder wild Liebe zu machen, zum Orgasmus zu kommen.

Deutet der Zeiger gerade eher nach unten, bedeutet dies, dass „die Messungen des erotischen Gesamtsystems“ ergeben habe, dass gerade eine andere Form der sinnlichen, körperlichen, erotischen, sexuellen Begegnung angezeigt ist. Ein großer Möglichkeitsraum, der leicht übersehen wird, wenn man(n) oder paar sich auf die Erektion versteift.

Neben allen wunderbaren Dingen, die Sie körperlich erregend und vergnüglich miteinander tun können ohne Erektion – darf die Phantasie, die Kommunikation und die Experimentierfreude nur weit genug schweifen – ist natürlich, mit ein wenig Übung, auch ein Eindringen ohne Erektion möglich. Wenn Sie mehr dazu erfahren wollen, googeln Sie einmal die Begriffe „Weiche Penetration“ „Slow Sex“ oder „Diana Richardson“ die in ihrem Buch „Zeit für Liebe“ das weiche Eindringen detailliert beschreibt.

 


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Sex & Elternschaft

Oft berichten mir junge Paare, dass sie zu Anfang ihrer Beziehung ein erfülltes Sexualleben hatten, dieses aber, seitdem sie Eltern geworden sind, mehr und mehr eingeschlafen ist. Eltern sein und Liebes- und Sexualpartner bleiben ist nicht selbstverständlich sondern eine echte Herausforderung.
Nehmen Sie sie an!
 
Menschen nehmen in ihrem Leben verschiedene Rollen ein. Sie sind z.B. gleichzeitig, Sohn oder Tochter, Angestellter oder Selbständiger, Kumpel oder beste Freundin, Liebespartner oder -partnerin und vieles mehr. Und manchmal kommen neue Rollen hinzu, z.B. die „plötzlich“ Vater oder Mutter zu sein.

 

Elternschaft geht mit großen Veränderungen im Leben eines Paares einher und aus meiner Erfahrung sind diese Veränderungen in der Wahrnehmung der Partner oft so stark, daß mache der bisherigen Rollen „auf der Strecke bleiben“.

 

Wer nur als Alltags-Team funktioniert wird unzufrieden

Wenn ein Paar dann nur noch als Eltern und Alltagspartner „funktioniert“ und „vergisst“ daß sie gleichzeitig auch noch ein Liebespaar sind – wenn diese Rolle also nicht mehr entsprechend gepflegt wird, führt dies früher oder später meist zu Unzufriedenheit und Konflikten.
 
Um auch als Eltern Liebespaar zu bleiben, ist es im ersten Schritt wichtig, dass Sie sich über den Zusammenhang zwischen Elternschaft und sich entwickelnder sexueller Unzufriedenheit bewusst werden. Verdrängen Sie das Thema nicht, sondern sprechen sie es Ihrem Partner/Ihrer Partnerin gegenüber an. Machen Sie dabei nicht den Partner / die Partnerin für die Misere verantwortlich, sondern berichten Sie möglichst sachlich, was Ihnen fehlt.
 

Liebesinseln schaffen

Ist dieser erste Schritt getan, geht es darum, sich als Paar Freiräume im Alltag zu schaffen, Inseln auf denen Ihr Liebes- und Sexualleben den nötigen Raum und die nötige Nahrung findet um zu erblühen.

 

Mit der Thematik Sex & Elternschaft beschäftigt sich auch ein neuer Presse-Artikel, für den ich ein Interview gegeben habe und in dem ich zitiert werde. Der Artikel ist in verschiedenen Online-Ausgabe von Boulevardzeitungen erschienen. Entsprechend mag er vielleicht nicht so hintergründig sein, wie bisherige Veröffentlichungen von mir, ich freue mich aber sehr, dass dieses wichtige Thema, welches mir in meiner Praxis immer wieder begegnet, so einem breitem Publikum bewusst wird.

Der Artikel ist in allen drei Städten völlig identisch erschienen, Sie können also einfach nach geografischer Vorliebe wählen:

 

Berliner Kurrier:
www.berliner-kurier.de/ratgeber/familie/trotz-muedigkeit-wie-auch-eltern-noch-sex-haben-koennen–23420852

 

Kölner Express:
www.express.de/ratgeber/familie/trotz-muedigkeit-wie-auch-eltern-noch-sex-haben-koennen–23420852

 

Hamburger Morgenpost:
www.mopo.de/ratgeber/familie/trotz-muedigkeit-wie-auch-eltern-noch-sex-haben-koennen–23420852

 


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Sex & Intimität

Was war zu erst, die Henne oder das Ei? Oder in diesem Falle, was braucht es zu erst, Sex oder Intimität?

 

Am Ende der ersten Sitzung hatte ein Paar zusammen mit mir folgende Ziele für die Beratung erarbeitet: Beide wollten mehr Intimität und Nähe in ihre Beziehung bringen und beide wollten ihre gemeinsame Sexualität neu beleben. So weit so harmonisch.

 

Wie dieses gemeinsame Ziel zu erreichen sei, davon hatten beide allerdings diametrale Vorstellungen: Während der Mann mehr Intimität und Nähe über eine wieder belebte Sexualität herstellen wollte, war für die Frau eine größere Nähe und Intimität überhaupt erst die Voraussetzung, sich sexuell neu einzulassen.

 

Forschungsfragen zu Sex, Nähe und Intimität

Ich gab dem Paar als „Hausaufgabe“ folgende Forschungsfragen mit: Der Mann sollte bis zur nächsten Sitzung erkunden, ob es für ihn neben der sexuellen Begegnung noch weitere Möglichkeiten gäbe, die Intimität zu vertiefen. Die Frau bat ich zu überlegen, welchen Grad an körperlicher Nähe sie beim derzeitigen Stand ihrer Intimität zulassen könne. Welche Form der körperlichen Begegnung aus ihrer Sicht zur Zeit also dem Grad der Nähe entspricht.

 

Da ich in der ersten Sitzung den Eindruck gewonnen hatte, daß das Paar in der Lage war respektvoll und konstruktiv miteinander zu kommunizieren, „erlaubte“ ich ihnen, sich auch schon vor dem nächsten Betungsgespräch darüber auszutauschen, welche Erkenntnisse sie gewonnen hatten.

 

Forschen Sie selbst zu Sex, Nähe und Intimität

Es geht hier nun nicht darum, Ihnen diese Erkenntnisse und Lösungsansätze dieses speziellen Paares zu präsentieren. Vielmehr möchte ich Sie ermutigen, sich selbst diese oder ähnliche Forschungsfragen zu stellen, wenn Sie sich in einer vergleichbaren Situation befinden.

 

Im Idealfall können Sie sich mit Ihrem Partner konstruktiv und vorwurfsfrei über Ihre Erkenntnisse austauschen, was allein schon ein Schritt zu tieferer Intimität ist und damit schon ein Teil der Lösung.

 

Nicht allen Paaren ist es allerdings vergönnt in Zeiten von Problemen und Krisen konstruktiv miteinander reden zu können. In diesem Fall ist es meist hilfreich, eine dritte, neutrale Person mit hinzuzuziehen, allein schon deshalb, weil man (und frau) sich in Anwesenheit Dritter automatisch „besser benimmt“.

 


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