Schuld oder Verantwortung?

Bis in die 70er Jahre wurde vor Gericht festgestellt, wer von beiden die Schuld an einer Scheidung trägt. Das gibt es heute so zu Glück nicht mehr. Dennoch ist der Gedanke immer noch weit verbreitet, klären zu wollen, wer an einer bestimmt Situation schuld ist. Beratungen in meiner Praxis klammern die Schuldfrage weitestgehend aus. Warum sich das bewährt hat lesen Sie hier:

 
In meiner Arbeit mit Klienten ersetzt ich das Wort Schuld durch Verantwortung. Doch worin liegt der Unterschied? Bevor Sie direkt weiter lesen, können Sie einmal eine Minute inne halten, und für sich selbst diese Überlegung anstellen – vielleicht sogar zusammen mit Ihrem/Ihrer Partner(in) – und dann Ihre Ergebnisse mit meiner Sichtweise vergleichen.

 

Vorwärts oder rückwärts

Verantwortung ist nach vorne gewandt, Schuld nach hinten. Schuld ist derjenige, der in der Vergangenheit etwas falsch gemacht hat. Es tun sich damit also gleich zwei Probleme auf: Erstens ist es oft nicht eindeutig festzustellen was falsch und was richtig ist. Dazu bräuchte es ein von beiden Partnern anerkanntes, verbindliches und ganz eindeutiges Wertesystem, denn nur in Bezug auf ein solches, also auf eine bestimmte verbindliche Moral oder Ethik kann etwas falsch ( =nicht dieser Norm entsprechend) oder richtig ( = im Einklang mit dieser Norm) sein. Zweitens liegt das Tun oder Lassen das zur Schuld geführt hat in der Vergangenheit und kann daher nicht mehr rückgängig gemacht werden.

 
Die Schuldfrage wird oft vor allem deshalb geklärt, weil der Schuldige dann die Verantwortung für die Folgen seines Handelns übernehmen muß. Was aber, wenn beide Partner von sich aus Verantwortung für das übernehmen, was sie selbst Gutes tun können, unabhängig, ob sie dazu durch einen „Schuldspruch“ gezwungen wurden? Dann wird es für die Lösung einer Situation unerheblich wer die Schuld für sie trägt.

 
Durch die meist unfruchtbare Diskussion darüber, wer Schuld hat, wird oft sehr viel Zeit und Energie verschwendet, die bei der tatsächlichen Lösung der Probleme dann fehlt. Aus meiner Erfahrung ist dies einer der Hauptgründe, warum Paare sich „im Kreise drehen“ statt voran zu kommen. Deshalb ist es mir in meinen Beratungen ein wichtiges Anliegen meine Klienten weg von dem lähmenden Schuldfrage-Kampf hin in die lösungsorientierte Eigenverantwortung zu begleiten.

 

Ein Beispiel

Stellen Sie sich vor, sie haben sich durch Unachtsamkeit aus ihrer gemeinsamen Wohnung ausgesperrt. Wer ist daran Schuld? Sie! Stellen Sie sich nun vor, Ihr(e) Partner(in) kommt wenig später nach Hause und hat ihren eigenen Schlüssel dabei. Wer ist nun in der Verantwortung die Tür zu öffnen? Natürlich derjenige, der einen Schlüssel hat. VerANTWORTung führt zu Antworten, Schuld nicht.
 


 

Wenn Sie per mail auf neue Blog-Beiträge aufmerksam gemacht werden wollen, melden Sie sich bitte oben links an

Wollen Sie Ihr Problem lösen?

„Natürlich wollen wir Probleme lösen, sonst wären wir ja nicht hier“, bekomme ich oft zu hören, wenn ich diese Frage meinen Klienten in der Praxis stelle. So klar uns selbstvertändlich wie es scheint, ist die Antwort aber garnicht.

 

Viele halten die Frage für rein rhetorische – das ist sie aber nicht. So natürlich wie es scheint ist der Wille zur Problemlösung nicht und die Frage daher durchaus berechtigt. Es gibt nämlich viele Gründe, zu einer Paartherapie zu kommen z.B. folgende (bewussten oder unbewussten) Wünsche an den Therapeuten:
 

Viele Gründe zur Paarberatung zu gehen

– Er soll meinem Partner einmal sagen was er alles falsch macht

 
– Er soll meinen Partner verändern, „zurechtrücken“, ihn/sie wieder „aufs Gleis setzen“

 
– Er soll bestätigen, dass ich mit meiner Sichtweise auf meinen Partner(in) recht habe

 
– Er soll uns die Entscheidung abnehmen, ob wir uns trennen oder zusammen bleiben sollen

 

Eine andere Varianten ist, dass ein Partner auf Drängen des anderen mit kommt zur Beratung. Das muss nicht von vornherein schlecht sein, solange der „mitgenommene“ Partner nicht eine innerliche Boykotthaltung hat, nach dem Motto: „Das hat eh alles keinen Sinn, aber es soll ja nicht so aussehen, als verweigere ich mich“.

 

Verantwortung für gewünschte Veränderung übernehmen

Prüfen Sie also, bevor Sie sich zu einer Beziehungsberatung oder -therapie anmelden Ihre wahren Gründe für diesen Schritt. Wollen Sie Ihr Problem wirklich lösen? Falls Ihre Antwort ein wahrhaftiges „JA“ ist, bedenken Sie Folgendes:
 
Sie können Ihr Paarproblem nur lösen, wenn SIE SELBST die volle Verantwortung übernehmen, für die Situation in der Sie sich gerade befinden. Sind sie dazu bereit?
 
Wenn Sie diese Verantwortung nicht übernehmen möchten, machen Sie sich zum ohnmächtigen Opfer, geben also Ihre Macht ab, Ihre Situation zu ändern, liefern sich „den Umständen“ oder Ihrem Partner aus. Keine gute Voraussetzung, wenn SIE Ihre Probleme wirklich lösen wollen.

 


Wenn Sie per mail auf neue Blog-Beiträge aufmerksam gemacht werden wollen, melden Sie sich bitte oben links an

Paartherapie „ganz einfach“

Ganz grundsätzlich gibt es nur zwei Möglichkeiten, Probleme zu lösen: Sie können die Gegebenheiten ändern oder Sie können die BEDEUTUNG ändern, die Sie den Gegebenheiten zumessen. So „einfach“ ist das.

 

Können SIE das ändern?

Die erste Option, nämlich die Gegebenheiten zu ändern steht ihnen manchmal zur Verfügung – im Liebesleben aber eher selten. Vielleicht können Sie einen unliebsamen Mitarbeiter, dessen Verhalten Ihnen nicht passt disziplinieren, ihm erfolgreich drohen oder ihn versetzen lassen. Diese Optionen gibt es – Gott sei Dank! – in einer Paarbeziehung so nicht.
 

Wenn Sie versuchen, diese gleichen Mittel wie im Arbeitsleben anzuwenden, werden Sie zumeist scheitern. Und falls nicht, handelt es sich eher um eine Abhängigkeits- als um eine Liebesbeziehung. Sie sehen also, oft liegt die gewünschte Veränderung außerhalb Ihres Machtbereiches.

 

Der Partner nervt durch seine Unpünktlichkeit. Wer kann sein Verhalten ändern? Sie? Der Paarberater? Oder Ihr Partner?
Der Partner nervt durch seine Unpünktlichkeit. Wer kann sein Verhalten ändern? Sie? Der Paarberater? Oder Ihr Partner?

 

Zwar können Sie den Partner bitten oder unter Druck setzen, sein Verhalten zu ändern – direkten Einfluss darauf haben Sie nicht. Der Partner wird sein Verhalten nur dann nachhaltig ändern, wenn ihm diese Veränderung persönlich attraktiv scheint.

 

Bedeutung ändern

Der Vorteil ist, dass es ganz allein in Ihrem Macht- und Verantwortungsbereich liegt, welche Bedeutung Sie den Dingen geben. Und das ist gleichzeitig auch der Nachteil, denn Sie selbst müssen Verantwortung übernehmen, die nur allzu gern auf den Partner abgewälzt wird.

 
Die gute Nachricht ist: Die Bedeutung der Dinge ändern heißt nicht, sich etwas schön zu reden, sich zu verbiegen oder Ärger zu unterdrücken. Es bedeutet den eigenen Horizont zu erweitern, sich selbst allmählich neue Gedanken- und Handlungsspielräume zu erlauben. Das wiederum verschafft Ihnen neue Möglichkeiten, mit Ihrem Partner in Interaktion zu treten und so Ihr Paar-System von alten Mustern zu befreien.
 

Den eigenen Horzont erweiter - neue Möglichkeiten finden
Den eigenen Horzont erweiter – neue Möglichkeiten finden

 
Klicken Sie dazu auch den Blogbeitrag „Beziehungskrisen sind keine Unfälle“

 

Bei diesem Erweiterungsprozess unterstütze ich Sie gerne zusammen mit Ihrem Partner / Ihrer Partnerin in einer Beziehungsberatung oder auch allein in einem Einzel – Coaching.

 


Wenn Sie per mail auf neue Blog-Beiträge aufmerksam gemacht werden wollen, melden Sie sich bitte oben links an