Nach dem Pulverdampf

Wenn der erste Schock nach dem Auffliegen einer heimlichen Affäre verfolgen ist (siehe dazu meinen letzen Blogbeitrag) stellt sich die Frage, wie – und ob überhaupt – es weitergehen kann als Paar. Und falls nein, wie dann?

 
Um dies zu beantworten, schaue ich mit den Paaren zunächst zurück auf ihre bisherige Beziehung. Warum sind die Partner seinerzeit zusammen gekommen – was hat sie aneinander fasziniert oder zumindest angezogen? Was war gut in der Beziehung bisher? Und was nicht? Was an Schönem ist unterwegs verloren gegangen? Und was war nicht gut oder ist verloren gegangen ohne dass darüber geredet wurdet? Gab es in der bisherigen Beziehung zu viele Tabus und Unausgesprochenes?

 

Butter bei die Fisch!

Jetzt ist die Zeit und die Gelegenheit gekommen reinen Tisch zu machen. Ein Neustart kann – wenn überhaupt – nur gelingen, auf der Basis von gegenseitiger Offenheit, die wiederum Voraussetzung ist, dass beschädigtes Vertrauen wieder wachsen kann. Die Zeit der Salamitaktikmiklaw-beziehungsberatung-Salamitaktik die Wahrheit betreffend, um den/die Partner(in) nicht zu verletzen und ihn/sie (oder ehrlicher Weise doch hauptsächlich sich selbst?) zu schonen ist vorbei!

 
Frage ich die Paare, wie sich denn die Beziehung in Zukunft wünschen würden, so höre ich manchmal „So wie früher“. Da aber niemand die Zeit zurück drehen kann, ist es nicht möglich, dass die zukünftige Beziehung nach dem Geschehenen gleich der vergangenen Beziehung ist. Aus meiner Sicht ist dies eine ganz entscheidende Einsicht, um sich aktiv um die Ausgestaltung der Beziehung 2.0 zu kümmern. Oder auch um festzustellen, das der Wunsch nach einer neuen Beziehung mit dem/der alten Partner(in) nicht bei beiden gegeben ist – oder nicht ausreichend stark ist um die Beziehung zu „renovieren“.

 

Waren beide beteiligt?

Oft ergibt sich in dieser Phase der Wunsch nach einem Neustart mit dem/der bisherigen, vertrauten und im Grunde oft noch geliebten Partner(in), ohne dass schon klar ist, wie dieser Neustart überhaupt aussehen könnte. Dazu kann auch ich keine vorgefertigte Lösung präsentieren, aber ich kann mit dem Paar an wichtigen Fragen forschen, wie z.B.:

 

  • – Welche Sehnsüchte treiben Sie an, die die Partnerschaft erfüllen oder zumindest nicht verhindern soll
    – Wo möchten Sie ihre eigene Persönlich hinentwickeln – wenn überhaupt?
    – Welchen Anteil haben die Partner jeweils dazu beigetragen, dass das Passierte passiert ist?
    – Was ist aus alle dem für das Paar an Erfahrung zu ernten?
  •  
    Durch die Beschäftigung mit solcherlei Fragen (was Sie natürlich auch ohne mich und ohne Krise mit Ihrer Partner(in) tun können) entstehen mit der Zeit immer deutlicher die Konturen und Eckpfeiler, die das neue Grundgerüst erkennen lassen.

     
    Und manchmal passiert eben gerade dies nicht oder die sich abzeichnende Lösung gefällt nur einem Partner und dem anderen eine andere. Kurzum, manchmal zeigt es sich, daß in Zukunft diese Paarkonstelation nicht mehr möglich sein wird. Aber was stattdessen?

     
    Darüber werde ich in meinem nächsten Blogbeitrag schreiben.

     


    Wenn Sie per mail auf neue Blog-Beiträge aufmerksam gemacht werden wollen, melden Sie sich bitte oben links an

    Das Gute im Schlechten

    Was ist Gut, was ist Schlecht? Dies zu unterscheiden ist nicht immer einfach. Und dennoch – die meisten Menschen würden zustimmen, dass es schlecht (oder zumindest nicht gut) ist, einen Zug zu verpassen, eine Absage nach einem Bewerbungsgespräch zu bekommen oder beim Fremdgehen erwischt zu werden. Aber können wir uns da sicher sein?

     

    Letztlich können wir erst mit einem gewissen zeitlichen Abstand beurteilen, ob ein Ereignis positive oder negative Auswirkungen hatte. Oder genauer gesagt MEHR positive oder MEHR negative Auswirkungen, denn selten ist die Welt schwarz ODER weiss. Diese Erkenntnis, dass in jedem Ereignisse möglicherweise auch etwas Gutes stecken kann, hilft uns mit „schlechten“ Ereignissen besser umzugehen.

     

    Gut oder schlecht?

    Immer wieder liest man von Menschen, die deswegen überlebt haben, weil sie ein bestimmtes Flugzeug, welches dann abstürzte, verpasst haben. Meist aber wissen wir nicht, was passiert wäre, wenn wir zum Beispiel die Sitzung pünktlich geendet hätte und wir uns mit dem Auto 10 Minuten eher auf den Weg nach Hause gemacht hätten. Vielleicht wäre uns dann ein schlimmer Unfall passiert, der uns dank des späteren Endes der Sitzung erspart geblieben ist. Diese Art zu Denken meine ich allerdings nicht wenn ich dazu rate im Schlechten das Gute zu sehen, da sie viel zu vage uns spekulativ ist. Es geht um etwas anderes.

     

    Es geht nicht in erster Linie darum zu sehen, welche schlimmen Dinge einem MÖGLICHERWEISE erspart wurden, sondern welche positiven Dinge einem geschenkt wurden. Dazu zwei Beispiele:

     

    Feuerwerk

    Neulich viel mein Flug aus, weswegen ich mein geplantes Ziel nicht mehr erreichte und an einem anderen Ort übernachten mußte als geplant. Wie ärgerlich! Dort allerdings habe ich an diesem Abend ein spektakuläres Feuerwerk sehen können, welches ich sonst verpasst hätte.

     

    Und um auf die Einleitung zurück zu kommen: Hin und wieder kommen Paare zu mir, bei denen gerade ein Seitensprung aufgeflogen ist. Hierin lässt sich sicher erst mit einem gewissen Abstand etwas Gutes erkennen – dann wenn der erste Pulverdampf aus Wut, Trauer, Verzweiflung und Scham verflogen ist.

     

    Immerhin haben beide Partner nun die Chance sich wieder wahrhaftig, ohne Lug und Trug zu begegnen. Nicht selten entwickelt sich aus einer solchen Krise eine vertiefte, gefestigte, wahrhaftigere Paarbeziehung. Dazu bedarf es allerdings bestimmter Voraussetzungen, über die ich in meinem nächsten Blogg schreiben werde.

     

    Aber es braucht gar nicht so ein dramatisches Beispiel. Üben Sie sich darin in allem, was Sie an Ihrem Partner oder überhaupt in der Welt ärgert, die Möglichkeit zu sehen, dass darin auch etwas gutes steckt. Lassen Sie Ihre Phantasie spielen um sich zu überlegen was genau das sein könnte. Und nur zur Klarstellung: Das ist etwas völlig anderes, als seinen Ärger zu unterdrücken – dazu rate ich sicherlich nicht.

    Read moreDas Gute im Schlechten

    Aussen vor

    Kürzlich erzählte mir ein Klient eine denkwürdige Geschichte über eine Geburtstagsfeier in seiner Abteilung. Vieles kann man daraus erkennen, weswegen ich hier seine Erzählung beispielhaft wiedergeben möchte:

     

    Der Klient, nennen wir Ihn Herrn Icks, erzählte mir, dass es in seiner Abteilung, bestehend aus 10 Personen üblich war, die jeweiligen Geburtstage in einem kleinen Rahmen von etwa 15 Minuten mit Kaffee und Kuchen zu feiern. Einmal sah er, wie sich die Abteilung wieder zu solch einer Geburtstagsfeier versammelte. Er selbst blieb aber solange im Abseits stehen, bis ihm einer der Kollegen flapsig – scherzhaft zuwarf: „Na, brauchst Du eine extra Einladung?“ Erst dann gesellte er sich zu den anderen.

     

    Ich erzähle Ihnen diese Geschichte aus mehrerlei Gründen, deren Überschriften lauten:

    – Aufmerksamkeit für eigene Muster
    – Unterschied zwischen innerer und äußerer Wahrheit
    – Prägung durch die Erziehung
    – Selbsterfüllende Prophezeiung

     

    Der Reihe nach

    Der Klient erzählte mir diese Geschichte, weil er bei sich selbst ein bestimmtes, immer wiederkehrendes Muster festgestellt hat, nämlich das Gefühl nicht dazu zu gehören, nicht gewollt zu sein. Es ist eine große Leistung, ein solches Gefühl („ich gehöre nicht dazu“) als eigenes Muster zu erkennen anstatt mit Sicherheit davon auszugehen, Opfer eine feindseligen Umgebung zu sein.

     

    Und damit sind wir schon beim zweiten Lernpunkt aus dieser Geschichte, dem Abgleich zwischen innerer und äußerer Wirklichkeit. Die äußere Wirklichkeit war, das Herr Icks sehr wohl und wie selbstverständlich in der Geburtstagsrunde willkommen war. Sein Kollege verstand gar nicht, warum er nicht mit hinzu kam. Nur Herr Icks selbst empfand sich als nicht willkommen, ganz losgelöst von der äußeren Realität.

     

    Zeit allein heilt nicht alle Wunden

    Herr Icks war selbst-reflektiert genug, um die Ursache seiner Muster zu erkennen: „Meine Mutter sagte immer, geh nur dahin, wo Du auch eingeladen bist“. Schwerer noch wiegt wohl der Umstand, dass er die ersten zwei Jahre seines Lebens in einem Heim verbringen musste, weil er seiner Mutter offenbar nicht „willkommen“ war. All dies liegt schon über ein halbes Jahrhundert zurück, entfaltet aber ganz offenkundig immer noch eine enorme Kraft im Leben von Herrn Icks.

     

    Letztendlich hatte Herr Icks Glück, dass es auffiel, dass er bei der Feier abseits stand und ihn jemand daraufhin ansprach. Wäre dies nicht geschehen, hätte sich die selbst erfüllende Prophezeiung „Ich bin nicht gewollt“ noch verstärkt. Herr Icks wäre darin bestätigt worden, dass die anderen ihn nicht dabei haben wollen und die Kollegen hätten ihrerseits den abseits Stehenden vielleicht tatsächlich für einen Sonderling gehalten, mit dem man besser nicht so viel zu tun hat.

     

    Ich selbst bin immer wieder erstaunt, wie viele Erkenntnis man mit ein wenig Übung und Aufmerksamkeit gewinnen kann, wenn man sich kleine, alltägliche Geschichten mal etwas genauer anschaut. In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern einen erkenntnisreichen Alltag.

     


    Wenn Sie per mail auf neue Blog-Beiträge aufmerksam gemacht werden wollen, melden Sie sich bitte oben links an

    Konkurrenz zur Wahrheit

    Sollten man Menschen, die man liebt anlügen?
    Wahrscheinlich werden Sie mit Nein antworten.
    Sollten Paare sich also die Wahrheit sagen?
    Wahrscheinlich werden Sie mit Ja antworten.
    Sollten Paare sich Schmerz zufügen?
    Wahrscheinlich werden Sie wieder mit Nein antworten.
    Und wie würden Sie diese Frage beantworten: Sollten sich Paare die Wahrheit sagen, wenn diese dem Partner Schmerz zufügen?
    Ja, nein vielleicht, kommt drauf an…..?

     

    Welche Wahrheit möchten Sie hören?

    Oft höre ich von meinen Klienten, dass sie sich natürlich die Wahrheit wünschen, aber dem Partner direkte oder indirekte Vorwürfe machen, wenn sie dann eine Wahrheit zu hören bekommen, die Ihnen nicht gefällt oder durch die sie sich verletzt fühlen. Frei nach dem Motto: „Sag mir die Wahrheit, aber die soll so beschaffen sein, daß ich sie auch bequem hören kann“.

     

    Und oft höre ich von meinen Klienten, dass sie natürlich gerne die Wahrheit sagen würden, dies aber nicht ginge, da der Partner dann verletzt wäre. Frei nach dem Motto: „Mein Partner ist Schuld daran, dass ich lügen muß.“

     

    Solch eine Kombination von Angst, die Wahrheit zu hören und Angst die Wahrheit zu sprechen erstickt die Wahrheit. Und wo keine Wahrheit sein darf, da kommt automatisch entweder Misstrauen oder Gleichgültigkeit und Desinteresse auf. Misstrauen ist da noch das geringere Übel, weil es nicht so einschläfernd wirkt wie Gleichgültigkeit und daher eher dazu führen kann, das Grundproblem – mangelnde Wahrheit- anzugehen.

     

    Die Lösung heißt Mut

    Die Lösung heißt Mut: Mut die Wahrheit zu sagen und Mut die Wahrheit zu hören. Aber auch Mut, die Gefühle des Partners zu ertragen, die die Wahrheit auslösen kann und Mut die Verantwortung für die eigenen Emotionen zu sich zu nehmen.

     

    Wenn Sie Ihr Partner also das nächste mal an seiner Wahrheit teilhaben lässt (z.B. „Meine Ex-Partnerin hat noch ein Platz in meinem Herzen“) dann freuen Sie sich, dass Sie einen mutigen Partner haben und seien sie ihm dankbar dafür, dass er seine Gefühle mit Ihnen teilt.
    Und falls Sie diese Wahrheit auch gleichzeitig schmerzt, dann teilen Sie es Ihm in angemessener Form mit, beispielsweise so: „Es versetzt mir zwar einen innerlichen Stich wenn ich höre, wie nah Du Dich XY noch fühlst aber ich danke Dir für deinen Mut, mir diese Wahrheit mitzuteilen.

     

    Und dann fragen sie sich (vielleicht sogar zusammen mit Ihrem Partner), worauf Ihr Schmerz, dieser innere Stich, Sie aufmerksam machen will, welchen wertvollen Hinweis er Ihnen geben kann. Aber das ist noch einmal ein anderes Kapitel, dazu vielleicht bald mehr…..

     

     
     


    Wenn Sie per mail auf neue Blog-Beiträge aufmerksam gemacht werden wollen, melden Sie sich bitte oben links an

    Sex 70/30

    Dies ist die Formel für guten Sex. Genau so rum und nicht etwa 30/70. Was bedeutet die Formel? Sie beschreibt, wie wir unsere Aufmerksamkeit beim Sex verteilen sollten, nämlich 70% auf uns selbst und 30% auf unseren Partner. Und nicht etwa umgekehrt, wie es viele „rücksichtsvolle“ Menschen für richtig halten.

     

    Natürlich sollten Sie diese Formel nicht zu ernst nehmen, sie ist nicht wissenschaftlich bewiesen. Sie soll nur zum Ausdruck bringen, dass Sie beim Sex vor allem bei sich selbst bleiben sollten, ohne dabei einen unverbundenen „Ego-Trip“ zu fahren.

     

    Sex zwischen „Ego-Trip“ und „Alles recht machen wollen“

    Aber warum nicht umgekehst, wäre es nicht viel rücksichtsvoller, sich vor allem an den Bedürfnissen des Partners / der Partnerin zu orientieren und die eigenen dahinter zurücktreten zu lassen? Rücksichtsvoller vielleicht, aber wohin führt diese Art der Rücksicht? Dazu dass wir ständig damit beschäftigt sind VERMUTETE Bedürfnisse des Partners zu ergründen und zu erfüllen, statt für unsere REALEN eigenen Bedürfnisse Verantwortung zu übernehmen.

     
    Das ist Ihnen alles zu theoretisch? Dann probieren Sie es doch einfach mal aus, was passiert, wenn Sie beim Sex mehr bei sich als bei Ihrem Partner / Ihrer Partnerin sind. Bedenken Sie aber, die Formel lautet 70/30 und nicht etwa 100/0.

     

    Hundert Prozent beim Sex

    Und die Formel bedeutet auch, dass wir 100% (70 + 30) unserer Aufmerksamkeit beim Sex beim Sex haben sollten und 0 % bei dem was wir noch alles in Büro erledigen müssen, bei den Bildern aus dem Pornofilm oder den anstehenden Einkäufen und Hausarbeiten.

     

    Soweit die ideale Welt. Und wenn Sie sich dabei „erwischen“ (noch) nicht in diesem Idealzustand zu schweben, sein Sie milde mit sich. Wichtig ist, dass Sie überhaupt bemerkt haben, dass es für Ihr Sexualleben noch Entwicklungsmöglichkeiten zu mehr Intensität, Tiefe, Intimität, Nähe und Erfüllung gibt.

     

    Let’s talk about Sex, Baby

    Kommen Sie mit Ihrem Partner ins Gespräch über hochprozentigen Sex. Fragen Sie ihn, wie sein persönlicher Prozente – Cocktail aussieht. Und erschrecken Sie nicht, falls er oder sie die Wahrheit sagt. Denn Wahrheit ist der beste Dünger für Liebe und Liebe ist der beste Dünger für guten Sex – viel besser als Prozentrechnungen.

     


    Wenn Sie per mail auf neue Blog-Beiträge aufmerksam gemacht werden wollen, melden Sie sich bitte oben links an